Ist Polyneuropathie heilbar?

Bei einer Polyneuropathie liegt eine Erkrankung mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems vor.

Die Frage, ob eine Polyneuropathie heilbar ist, kann nur differenziert und ursachenorientiert beantwortet werden. Dies liegt daran, dass nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft mehr als 200 mögliche Ursachen für die Entstehung einer Polyneuropathie bekannt sind.

Bei etwa 20 Prozent der Erkrankungen bleiben die auslösenden Ursachen unbekannt. Ein Teil der Erkrankungen ist angeboren Eine ursächliche Therapie ist in diesen Fällen nicht möglich. Unterschiedlich wie die erworbenen Polyneuropathien sind auch die Auswirkungen dieser verschiedenen Krankheitsformen.

Primär zielen Behandlungen bei bekannten Ursachen darauf ab, mögliche Auslöser zu beseitigen und ursächliche Grunderkrankungen zu behandeln. Neben der Linderung von Beschwerden ist auch eine Regeneration geschädigter Nervenzellen möglich. Ob und wie weit eine Polyneuropathie heilbar ist, hängt von der Ursache und den therapeutischen Maßnahmen ab.

Urschen bestimmen, ob Polyneuropathie heilbar ist

Eine diabetische Polyneuropathie zählt zu den nicht entzündlichen Polyneuropathien. Bei der Behandlung von Diabetes mellitus ist eine ideale Einstellung des Blutzuckers eine wesentliche Voraussetzung, um ein schnelles Fortschreiten der Polyneuropathie zu vermeiden. Es ist eine intensive Insulintherapie mit einer stringenten Stoffwechselführung notwendig. Eine Heilung ist bei einer andauernden Erkrankung an Diabetes nicht möglich.

Therapie bei Alkoholismus sowie Schadstoffen, Giften und bestimmten Medikamenten

Wird die Polyneuropathie durch schädigende Substanzen von außen verursacht, kann sie durch die Beseitigung der Einflüsse vollständig geheilt werden. Bei vorhandener Kausalität zwischen den Substanzen und der aufgetretenen Polyneuropathie bilden sich die Symptome nach der Beseitigung der Ursachen mit unterschiedlichem Tempo wieder zurück. Dazu zählen:

• Die Verhinderung von Kontakten mit Umwelt- und Gewerbegiften

• Eine stationäre Therapie bei Alkoholsucht in Verbindung mit einer Ernährungsumstellung

• Die alternative Einnahme eines anderen Medikaments

Behandlungen von Erregern als Auslöser

Die Behandlung einer infektiösen Polyneuropathie erfolgt im Regelfall durch die Behandlung der jeweiligen Infektion mit einem angemessenen Antibiotikum. Bei unklaren Symptomen kann die Art der Infektion durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden.

Wird eine bestimmte Infektion vermutet, kann eine Feststellung von Antikörpern die Diagnose und Behandlung bestimmen. Im Regelfall ist mit dem vollständigen Abklingen der Beschwerden und einer Heilung der Polyneuropathie zu rechnen.

Therapiemöglichkeiten bei einer urämischen Polyneuropathie

Bei Dialyse-Patienten, die von einer urämischen Polyneuropathie betroffen sind, ist eine Polyneuropathie heilbar, wenn eine erfolgreiche Nierentransplantation durchgeführt werden kann.

Ansonsten ist zur gesundheitlichen Stabilisierung eine kontinuierliche Blutwäsche alternativlos. Trizyklische Antidepressiva oder Antikonvulsiva (gegen Epilepsie) können zur Schmerzbehandlung verwendet werden.

Behandlungsmaßnahmen bei Vitaminmangel

Eine dauerhafte Umstellung auf eine gesunde Ernährung beinhaltet eine ausreiche Nährstoffzufuhr mit zahlreichen Vitaminen. Bei Vitaminmangel kann die gezielte Umstellung der Ernährung oder der Ausgleich des Vitaminmangels durch Medikamente hilfreich sein. Als Nervenvitamine haben sich B1 und B12 bewährt.

Behandlung von entzündlichen Polyneuropathien

Hierbei bestehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Entzündungshemmung. In der Regel wird ein Medikamentenmix verabreicht, um der Grunderkrankung sowie der bestehenden Entzündung entgegenzuwirken.

Wirksam gegen Entzündungen ist das bewährte Arzneimittel Cortison, um nervenschädigende Entzündungen möglichst schnell einzudämmen. Ebenso können Medikamente aus der Rheumatherapie (Immunglobulinen) zur Anwendung kommen.

Beseitigung der Ursache und Linderung von Beschwerden ist auch das Ziel in anderen Fällen

Bei zahlreichen weiteren Erscheinungsformen einer Polyneuropathie müssen die Grunderkrankungen behandelt beziehungsweise die Ursachen beseitigt werden. Zur Linderung von Symptomen können außerdem Schmerzmittel und entzündungshemmende Mittel verabreicht werden.

Symptomatische Behandlungen müssen gemäß den Veränderungen des Beschwerdebildes flexibel erfolgen. Als Schmerzmittel können teilweise mit Erfolg auch Placebos eingesetzt werden. Ebenso können zur Durchblutungsförderung physiotherapeutische Maßnahmen in Betracht kommen.

Eine langsame Nervenregeneration ist möglich

Neben dem Schutz der Nervenzellen vor schädigenden Substanzen sind zur Reparatur und zum Aufbau gezielte Substanzen erforderlich. Eine Schädigung noch nicht abgestorbene Nervenzellen kann aufgehalten und sogar wieder repariert werden. Dazu müssen verschiedene „Baustoffe“ wie B1 und B12, essenzielle Aminosäuren sowie Alpha-Liponsäure und Omega-3-Fettsäuren verstärkt verfügbar sein. Je nach persönlichem Ernährungsstil empfiehlt sich temporär ein Nahrungsergänzungsmittel mit diesen Inhaltsstoffen.

Unter günstigen Bedingungen können sich Nervenfasern je nach dem Umfang der Schädigung innerhalb von Wochen und Monaten wieder regenerieren. Dazu stellen die Nervenzellen in verstärktem Maß Eiweiße als Ersatz für das verlorene Zellmaterial her. Im Laufe der Zeit kann das eingeschränkte Gefühl beim Kontakt mit Berührungen, Kälte oder Wärme wieder normal funktionieren.

Ergänzende Maßnahmen zur Einzelfallbehandlung

Als Unterstützung aller Therapiemaßnahmen dienen sportliche Aktivitäten zur Förderung der Durchblutung, damit verstärkt Nährstoffe und Sauerstoff über die Blutbahn transportiert werden. Ebenso ist eine Umstellung des Stoffwechsels durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung sinnvoll. Dabei sollten verstärkt Lebensmittel mit einem Gehalt an B-Vitaminen und Mikronährstoffen berücksichtigt werden. Die Alltagsernährung sollte ebenso genügend Vitamin E enthalten. Grund: Ein Mangel an Vitamin E verhindert die Nervenregeneration.

  • April 8, 2019