Behandlung für Polyneuropathie

Zeigen sich Symptome, die den Verdacht einer Polyneuropathie erhärten, sollten Betroffene schnellstmöglich einen Arzt konsultieren. Denn nur bei frühzeitiger Diagnose von Schäden an den Nerven hat bei Polyneuropathie eine Behandlung positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf.

Anamnese und Untersuchungen zur Diagnose

Da bei Polyneuropathie die Therapie auch ursachenabhängig ist, ist eine präzise Diagnose sehr wichtig.

Zunächst wird der Arzt den Patienten ausführlich nach seiner Krankengeschichte befragen und sich die bisherigen Beschwerden schildern lassen. Außerdem erfragt er Grunderkrankungen (z. B. Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Erkrankungen der Nerven u. a.). Wichtig sind für den Arzt aufgrund der Vielfalt der möglichen Ursachen auch Informationen zur Medikamenteneinnahme sowie zur Berufstätigkeit (z. B. Arbeit mit Giftstoffen). Außerdem ist von Bedeutung, ob der Betroffene Alkohol und/oder Drogen konsumiert. Bei allen Fragen sollten Patienten so ehrlich wie möglich sein, denn nur so kann nach Ursachen gesucht und bei diagnostizierter Polyneurpathie eine Behandlung eingeleitet werden.

Im Anschluss an das Arztgespräch erfolgt eine körperliche Untersuchung. Überprüft werden dabei beispielsweise Reflexe, die Reaktion der Pupillen auf Lichteinfall oder auch Fehlbildungen am Skelett (z. B. Hohlfuß).

Zudem können – je nach Verdacht – die folgenden Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Blutuntersuchungen zur Erkennung möglicher Ursachen (z. B. anhand von Entzündungswerten)
  • Elektroneurografie (ENG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (bei Polyneuropathie meist herabgesetzt)
  • Elektromyografie (EMG) zur Prüfung der elektrischen Muskelaktivität (Störung der Nervenfunktion deutet auf Polyneuropathie hin)
  • quantitative sensorische Untersuchung zur Prüfung der Reaktion eines Nervs auf bestimmte Reize (z. B. Temperatur, Druck) – keine routinemäßige Untersuchung, da sie zeitaufwändig ist und viel Konzentration vom Patienten erfordert
  • Elektrokardiografie (EKG) zur Feststellung möglicher Schädigungen an autonomen Nervenfasern des Herzens
  • Ultraschall der Harnblase zur Feststellung einer möglichen gestörten Blasenentleerung
  • Nervenbiopsie in bestimmten Fällen (z. B. bei Diabetikern mit einer Nervenschädigung auf nur einer Körperseite oder bei Verdacht auf Lepra)
  • Hautbiopsie in bestimmten Fällen
  • genetische Untersuchung, wenn es in der Familie bereits Polyneuropathie-Erkrankungen gibt

Polyneuropathie Behandlung

Eine effektive Polyneuropathie Therapie behandelt oder beseitigt zunächst vor allem die mögliche Ursache. Die Medizin spricht in diesem Fall von einer ursächlichen oder auch kausalen Therapie. Nach Möglichkeit sollte also zuerst die Ursache beseitigt werden (z. B. Alkohol-/ Drogenentzug), Einstellung bei Diabetes, Ausgleich eines Vitamin-B12-Mangels). Die Behandlung erfolgt bei Polyneuropathie symptomatisch, bestenfalls in Ergänzung zur kausalen Therapie.

Folgende Maßnahmen kommen bei Polyneuropathie als Behandlung in Frage:

1. Schmerztherapie zur Linderung akuter Schmerzen

Bei den meisten Betroffenen führen Nervenschäden zu Schmerzen, die sich stark brennend anfühlen. Der Arzt wird zur Linderung zu Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) verordnen.
Schwere Nervenschmerzen werden häufig auch mit Opioiden behandelt. Da mitunter immer höhere Dosierungen notwendig werden und die Anwendung dann zu einer Abhängigkeit führen kann, ist eine regelmäßige Überwachung durch den Arzt unabdingbar.

Auch Antiepileptika, die krampflösend wirken, können hilfreich sein. Sie verringern die Erregbarkeit der Nervenzellen, wodurch die Schmerzen zurückgehen. Da Antiepileptika bestimmte Blutwerte verändern, ist auch hier eine regelmäßige Überwachung und zudem eine langsame Dosiserhöhung (Einschleichung) sinnvoll.

Weiterhin können im Rahmen der Schmerztherapie folgende Maßnahmen ergriffen werden, um die Linderung der Schmerzen zu unterstützen:

  • Verabreichung von Antidepressiva, da sie die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark hemmen und die Schmerzen zumindest auf ein erträgliches Maß reduzieren
  • Reizstromtherapie zur Dämpfung der Schmerzen
  • Behandlung durch einen auf chronische Schmerzen spezialisierten Therapeuten

2. Physikalische Therapie zur Behebung motorischer Probleme

Geht die Polyneuropathie mit sensiblen und motorischen Störungen einher, können physikalische Therapien das Mitte der Wahl sein.

Typische Maßnahmen wie

  • Krankengymnastik
  • Elektrobehandlung von gelähmten Muskeln
  • kalte und warme Wickel
  • Wechselbäder

sorgen für eine verbesserte Durchblutung und können schwache Muskeln stärken. Zudem unterstützen sie die Mobilität trotz Schmerzen und anderen Einschränkungen.

3. Ergänzende Maßnahmen zur Polyneuropathie Behandlung

Je nach Beschwerdebild können zur Therapie von Polyneuropathie auch folgende Maßnahmen ergänzend zur Anwendung kommen:

  • Magnesiumeinnahme bei Wadenkrämpfen
  • orthopädische Hilfsmittel bei Gehproblemen (z. B. Schienen)
  • Umstellung der Essgewohnheiten bei Völlegefühl sowie Übelkeit und Erbrechen
  • ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme bei Verstopfung
  • langsames Aufstehen bei Kreislaufproblemen, auch Stützstrümpfe können vorbeugend wirken
  • regelmäßiger Gang zur Toilette auch ohne Harndrang (bei Blasenschwäche und Blasenentleerungsstörungen)

Selbsthilfe bei Polyneuropathie

Betroffene Patienten mit Polyneuropathie sollten zunächst auf einen optimalen Blutzuckerspiegel achten. Wichtig ist weiterhin eine regelmäßige Kontrolle und bei Notwendigkeit eine Senkung des Blutdrucks. Zudem sollten Patienten auf Nikotin und Alkohol verzichten, auch die Blutfettwerte sollten mit einer Diät oder Medikamenten auf Normalniveau gebracht werden.

Wer bereits Diabetes-Patient ist, sollte sich einer regelmäßigen Fußpflege unterziehen und zudem fußbelastenden Sport (z. B. Joggen) meiden. Zudem ist Barfußlaufen nicht sinnvoll, ein stabiles Schuhwerk aber sehr wichtig.

Mit ausreichend Bewegung (z. B. schonende Sportarten wie Schwimmen) können Stoffwechsel und Durchblutung verbessert und der Entstehung einer Polyneuropathie vorgebeugt werden.

  • April 10, 2019